Willkommen auf der Homepage der AStA-Tierschutz-AG der Uni Mainz

 

 

 

 

 

Das nächste Treffen findet am 29.11.2011 um 20 Uhr im Haus Mainusch statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, vorbei zu schauen!

Weitere Informationen: tierrechte@gmx.de

 

Ab dem Sommersemester 2012 wird es im Fach Biologie an der Universität Mainz keine zwingende Sezierpflicht an Tieren mehr geben. StudentInnen, die ethische Bedenken mit dem „Verbrauch“ der Tiere haben, können auf hochwertige Alternativen zurückgreifen. Fachschaft Biologie und AStA fordern Bioethik-Vorlesung zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Tieren und Sensibilisierung gegenüber Tierversuchen.

Nach einer kontrovers geführten Diskussion im Studierendenparlament der Universität Mainz wurde anlässlich eines Antrages der Hochschulgruppe Campus Grün beschlossen, eine Informationsveranstaltung über Tierverbrauch stattfinden zu lassen. Außerdem wurde der AStA damit beauftragt, unter Beratung der Tierschutz AG zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Im Einzelnen lautet diese Stellungnahme:

„Der AStA ist sich des Problems des Tierverbrauchs im Studium bewusst. Daher bekennen wir uns zu einem umfassenden Recht, den Tierverbrauch im Studium zu verweigern. Die Gewissensfreiheit muss in solchen Fällen Vorrang vor der Wissenschaftsfreiheit der DozentInnen haben. Die möglichen Alternativen zum Tierverbrauch gewährleisten unserer Ansicht nach, dass ein entsprechender Studiengang dennoch mit einer ausreichenden Qualifikation der StudentIn abgeschlossen werden kann.“

Und weiter:

„An einigen Universitäten in Deutschland gibt es sogenannte Spendertierprogramme. Z.B. in der Tiermedizin wird somit die Chirurgie an Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder aus medizinischen Gründen eingeschläfert wurden, gelehrt. Diese Programme halten wir, so wie sie an anderen Universitäten im zoologischen Praktikum bereits existieren, auch an der Universität Mainz für möglich, sofern kein Infektionsrisiko von den Tieren ausgeht.“

Das Ethik-Hochschulranking von SATIS zeigt, dass kein einziges im Grundstudium (Bachelor of Science) durchgeführtes Experiment essentiell ist. D.h., die angebotenen Übungen an den Tieren sind von Universität zu Universität völlig unterschiedlich. Viele Universitäten bieten den StudentInnen die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie den Tierverbrauch durchführen möchten oder nicht. Weitere setzen andere Schwerpunkte. Mehrere biologische Abschlüsse in Deutschland kommen komplett ohne Tierverbrauch aus. (www.satis-tierrechte.de)

Zum Thema fanden mehrere Gespräche mit dem Vizepräsidenten der Universität Mainz, Prof. Dr. Ulrich Förstermann, und dem Leiter des Instituts für Zoologie an der Universität Mainz, Prof. Dr. Jürgen Markl, VertreterInnen des Vorstandes Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. und der AStA-Tierschutz-AG statt. Zuletzt wurde ein Kompromiss gefunden, dass Studierende, die ethische Bedenken haben, ab dem Sommersemester 2012 nicht mehr zum Sezieren der Tiere gezwungen sind, sondern auf sogenannte Ganzkörper-Dauerpräparate, insbesondere histologische Schnitte sowie professionelle Seziervideos zurückgreifen können. Ein Dauerpräparat kann beispielsweise der Querschnitt eines Regenwurmes sein, der unter dem Mikroskop betrachtet und analysiert werden kann.

Vorbild für diese Entscheidung war ein Praktikum an der Universität München, das bereits seit Jahren die genannten Alternativen ermöglicht.

Die AStA Tierschutz AG begrüßt die Entscheidung des Fachbereiches Biologie, sieht diesen angebotenen Kompromiss jedoch noch nicht als ausreichend an.

Eine Ethik Vorlesung, die seit geraumer Zeit vom Fachschaftsrat Biologie gefordert wird, ist längst überfällig:

„Zusätzlich würden wir eine noch stärkere Sensibilisierung und Heranführung der Studierenden an das Thema Tierversuche und seine ethischen Aspekte z.B. durch eine Bioethik-Vorlesung begrüßen, die im Rahmen des Moduls „Soft Skills“ durchgeführt werden könnte.“

Auch der AStA sieht das so, in einer Stellungnahme heißt es:

„Eine stärkere Sensibilisierung gegenüber dem Thema Tierversuche, z.B. durch eine Bio-Ethik Vorlesung, wird begrüßt.“

Die Fachschaftenliste fordert dies ebenfalls:

„Insbesondere für den Masterstudiengang Biologie, in dem die Möglichkeit zur Durchführung von Tierverbrauch gegeben ist, sollte den Studierenden bereits der verantwortungsvolle Umgang mit Tieren beigebracht worden sein. Im Rahmen einer Ethik-Vorlesung könnte idealerweise bereits im Grundstudium über Tierschutzrechte informiert und für diese sensibilisiert werden.“

Eine solche Forderung unterstützt auch der einzige Professor für Tierschutz in Deutschland, Prof. Dr. Jörg Luy (Quelle: Interview mit dem TV-Wissensmagazin „Planet Wissen“):

„Wer an Wirbeltieren Versuche durchführen will, benötigt dazu eine behördliche Genehmigung. Die Genehmigung darf laut Tierschutzgesetz nur erteilt werden, wenn der Versuch ethisch vertretbar ist. Praktisch spielt diese Vorschrift aber keine große Rolle, weil es keine rechtsverbindlichen Spielregeln dazu gibt, wann ein Tierversuch ethisch nicht mehr vertretbar ist. […] Das Gericht bittet dann die Behörde um Darlegung der Argumentation, warum der Versuch „ethisch nicht vertretbar“ sei. Hier muss die Behörde, um sich durchzusetzen, auf allgemein anerkannte Standpunkte Bezug nehmen können. Die gibt es aber noch gar nicht. Also lässt es die Behörde meist lieber nicht auf eine gerichtliche Klärung ankommen, sondern genehmigt gleich.“

Darüber hinausgehend kritisieren wir die Haltung der Universitätsleitung, die Tierversuche und Tierverbrauch als wissenschaftlichen Fortschritt darstellt und die konträre Entwicklung hin zu einer tierversuchs- und tierverbrauchsfreien Forschung und Wissenschaft unzureichend würdigt. Die in der Wissenschaft mittlerweile weitverbreitete Kritik an der Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen wird in Stellungnahmen zu diesem Thema verschwiegen. Unter den Kritikern sind z.B. der ehemalige Leiter des Bundesgesundheitsamtes Prof. Dr. Karl Überla, die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA, Prof. Dr. Dr. Thomas Hartung von der Uni Konstanz , Prof. Dr. Toni Lindl von der Uni München und viele mehr.

Hinsichtlich des an der Universität Mainz durchgeführten Tierverbrauchs ist die Einführung eines Ethikkurses in allen Fächern, in denen Tierverbrauch existiert, unerlässlich.

Wir vertreten die Auffassung, NaturwissenschaftlerInnen sollten sich in Zukunft die Frage stellen, ob es nicht ein Gebiet gibt, das mindestens genauso nützlich für die Wissenschaft ist, wie die Erkenntnis aus einem Tierversuch. Eine einerseits traurige Tatsache und andererseits überzeugendes Beispiel für die Notwendigkeit eines solchen Ethikkurses zeigt, dass auch an der Universität Mainz vor wenigen Jahren vollkommen unsinnige Experimente stattgefunden haben. So wurden in einem Experiment, um die Folgen eines akuten Lärmtraumas auf das Innenohr von Meerschweinchen zu untersuchen, die Ohren der Tiere mit Gewehrschusslärm (156 +/- 4 dB) beschallt. Anschließend wurden die Meerschweinchen getötet. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die ethische Aufklärung unzureichend ist.

Da die Tierversuchszahlen in den letzten Jahren stetig angestiegen sind, lässt dies vermuten, dass hier großer Aufklärungsbedarf nötig ist. Weiter muss genauer überprüft werden, ob die zu erreichende Erkenntnis nicht auch mit anderen Methoden erlangt werden kann.

Es muss stärker in Tierversuchsalternativen investiert werden, die in Vergleichsstudien zum Tierversuch als wesentlich effizienter und teilweise sogar kostengünstiger eingestuft werden. Alternativen sollten also weniger als Ersatz, sondern als hochwertigere Testmethode angesehen werden.

In einer Stellungnahme der Universität rät der Leiter des Instituts für Zoologie, Prof. Dr. Jürgen Markl:

„Wir raten den Studierenden auch, am Sezieren teilzunehmen, damit sie ihre späteren Berufsaussichten nicht schmälern. Denn das Innenleben von Tieren wird in vielen modernen Sparten der Biologie erforscht.“

 

Wir sind der Meinung, dass diejenigen, die nicht an Tieren experimentieren wollen, mit der geschaffenen Alternative in vielen Bereichen aufgrund ihres Verantwortungsbewusstseins gegenüber dem Leben bessere Chancen haben. Die individuell zu treffende Entscheidung lautet also eher: „Will ich Tierversuche in meinem späteren Beruf durchführen - oder nicht.“